Das Ziel der Vereinigung Dravet Syndrom Schweiz ist es, die Lebensqualitรคt von Personen mit Dravet-Syndrom durch Fรถrderung der medizinischen Forschung sowie durch Information und Sensibilisierung zu verbessern.
Seit der Grรผndung unseres Vereins konnten wir bereits rund CHF 150’000 in die Dravet Forschung investieren. Dies war mรถglich Dank des riesigen Engagements der Lรคuferinnen und Lรคufern des DRAVET RUN FOR A CURE 2012 und 2013 in Bern und der grossen Zahl von Spenderinnen und Spendern, die unsere Organisation seit der Grรผndung unterstรผtzen.
Unterstรผtzte Forschungsprojekte
Call for proposals
2019
2019 haben um ersten Mal zwei europรคische Patientenorganisationen einen ยซCall for Proposalsยป fรผr ein 2-jรคhriges Forschungsprojekt in der Hรถhe von 110โ000 Euro lanciert. Sie ebneten damit den Weg zu neuen Behandlungsformen.
Im Mรคrz 2019 lancierten wir gemeinsam mit der ยซGruppo Famiglie Dravet Onlusยป (GFD), Mailand, einen ยซCall for Proposalsยป. Das Ziel des Projektes ist es, das Krankheitsbild des Dravet-Syndroms besser zu verstehen und den Weg fรผr neue Therapien zu ebnen, die letztendlich zu einer besseren Lebensqualitรคt fรผr Menschen mit dem Dravet-Syndrom fรผhren sollen.
An diesem Evalutationsprozess sind sowohl ein Internationales Wissenschaftliche Komitee als auch eine Laienkommission beteiligt. Die Laienkommission setzte sich aus Eltern, Vorstandsmitgliedern und Freiwilligen der beiden Geldgeberorganisationen zusammen. Das Internationale Wissenschaftskomitee รผberprรผft die eingereichten Projekte und unterbreitet entsprechende Empfehlungen der Laienkommission. Die Laienkommission entscheidet anschliessend entscheiden, welches Projekt finanziert wird.
Ende Oktober 2019 hat die Laienkommission entschieden, dass die 110โ000 Euro an Dr. Gaia Colasante vom San Raffaele Institut in Mailand gehen fรผr ein zweijรคhriges Projekt mit dem Titel: A support for gene therapy studies – reversibility in Dravet syndrome.
Umkehrbarkeit des Dravet-Syndroms – Eine Unterstรผtzung fรผr Gentherapie-Studien
2019-2021
Gaia Colosante, PhD, San Raffaele Institut, Mailand
Gentherapien fรผr genetische Erkrankungen des zentralen Nervensystems wurden dank grossen Fortschritten in der Entwicklung von viralen Vektoren, welche die Blut-Hirn-Schranke passieren kรถnnen, zu einer realen Mรถglichkeit. Damit kรถnnen therapeutische Gene zum Gehirn gebracht werden, welche dort die meisten Astrozyten und Neuronen hoch effizient umwandeln kรถnnen. Im Wissen, dass die SCN1A-Codiersequenz zu lang ist fรผr diese Adeno-Assoziierten Vektoren (AAV), versucht die Dravet-Syndrom-Forschung, diese Grenze zu รผberwinden. Sie entwickelt alternative Gentherapie-Strategien wie das Verstรคrken der Expression des gesunden Allels, um die Haploidinsuffizienz von SCN1A zu eliminieren.
Alle diese Studien basieren indirekt auf der Annahme, dass die Symptome des Dravet-Syndroms bei einer erneuten Expression von Nav1.1 auf ein physiologisches Niveau rรผckgรคngig gemacht werden kรถnnen. Allerdings ist die Mรถglichkeit sowie der Grad der Symptomumkehrung nach ihrem Einsetzen noch nicht eindeutig bewiesen.
Dank eines neuen Dravet-Maus-Modells, welches in unserem Labor entwickelt wurde, werden wir diese offenen Fragen beantworten. In dieser Mauslinie ist das endogene SCN1A-Gen durch den Einbau einer STOP-Kassette in ein Intron des SCN1A-Gens stummgeschaltet; durch die Zugabe eines Cre-Rekombinase-Proteins wird die STOP-Kassette entfernt, wodurch das stummgeschaltete Allel wieder normal funktioniert und normale Nav1.1-Niveaus erreicht werden. In diesem Modell sind unsere Ziele:
1) nach Einsetzen der Symptome wieder ein normales Niveau der Nav1.1-Expression im gesamten Gehirn zu erreichen, um die Umkehrbarkeit sowohl von Anfรคllen als auch von Verhaltensverรคnderungen zu beurteilen.
2) die erneute Expression von Nav1.1 nur im Hippocampus, um zu beurteilen, ob die Gen-Korrektur in einer minimalen Hirnregion fรผr eine Symptomumkehrung oder -verbesserung genรผgen kann.
Alle diese Studien basieren indirekt auf der Annahme, dass die Symptome des Dravet-Syndroms bei einer erneuten Expression von Nav1.1 auf ein physiologisches Niveau rรผckgรคngig gemacht werden kรถnnen. Allerdings ist die Mรถglichkeit sowie der Grad der Symptomumkehrung nach ihrem Einsetzen noch nicht eindeutig bewiesen.
Gentherapie-Forschung (UCL)
2019-2021
Mit 10’000 Euro unterstรผtzten wir das Projekt ยซNovel genetic upregulation of SCN1A in Dravet Syndromeยป der University College London (UCL).
Neuropathogenische Haploinsuffizienzen stellen eine Gruppe von schweren genetischen Erkrankungen dar, fรผr die es zurzeit noch keine Heilung gibt. Die Anzahl der Erkrankungen dieser Gruppe nimmt zu. Professor Simon Waddington und Dr. Rajvinder Karda, die beiden Co-Forscher, mรถchten Virale Vektoren fรผr eine Gentherapie herstellen. Mittels dieser Vektoren kรถnnten dann Patienten mit einer fehlerhaften SCN1A-Funktion therapiert werden. Die Forschungsarbeit beginnt Anfang Mai 2019 und dauert 24 Monate.
mRNA-Therapie (Triest)
2018-2020
Zusammen mit fรผnf weiteren europรคischen Dravet-Organisationen, alle Mitglieder der Dravet Syndrome European Federation (DSEF) haben wir 2018 das Projekt ยซCombined transcriptional-transยญlational RNA therapy of SCN1A haploidinsufficiencyยป mitfinanziert.
Antonello Mallamaci, SISSA, Triest, Italien
Jedes Gen in unserem Kรถrper gibt es in doppelter Ausfรผhrung. Unยญglรผcklicherweise ist bei einer genetischen Erkrankung eine der beiden Kopien defekt und es entsteht somit ein nichtfunktionierendes Proteinprodukt. In Nervenzellen kann eine ungenรผgende Anzahl eines funktionellen Proteins zu schweren Symptomen wie Epilepsie und anderen neuropathologischen Zustรคnden fรผhren. Dies trifft speziell beim Dravet-Syndrom zu, bei dem der Verlust einer gesunden Kopie des SCN1A-Gens die Hauptursache fรผr die schwerwiegenden Symptome ist. Das SCN1A-Gen kodiert fรผr einen spezifischen Neuronenkanal, welcher die elektrische Aktivitรคt in unserem Hirn limitiert. Auch mit den heute verfรผgbaren Methoden ist es leider nicht mรถglich, diese genetischen Defizite im postnatalen Hirn auszugleichen. Wir mรถchten dieses Problem lรถsen, indem wir mit der gesunden Koยญpie des Gens arbeiten. Wir mรถchten die Synthese seiner mRNA und der Proteinprodukte (respektive Translation und Transkription) stimulieren, um ein genรผgend hohes Level an funktionalem Protein zu bekommen. Dies soll dank einer Kombination innovativer und selektiver RNA-basierter Wirkstoffe erreicht werden, welche kรผrzlich in unserem Lab entwickelt wurden. Auf diesem Weg wird versucht, ein ausreichendes Niveau von funktionierenden Proteinen wiederherzustellen: eine ยซkleine Aktivierungs-RNAยป (saRNA), ein ยซRNA-programmierbares Enzymยป (genannt NMHV) sowie eine weitere kรผnstliche RNA die zur Gruppe der SineUp RNAs gehรถrt. Unsere ersten Ergebnisse in Maus Modell zeigen, dass diese Wirkstoffe die Tranยญskription und Translation des SCN1A-Gens fรถrdern und somit das Protein-Level mit der funktionierenden Gen-Kopie wiederherstellen kรถnnen. Dies lรคsst uns vermuten, dass eine รคhnliche Vorgehensweise die SCN1A-Defizite bei Dravet-Patienten beheben kรถnnte.
Bevor jedoch die Anwendung auf menschliche Nervenzellen รผbertragen werden kann, mรผssen folgende vier Schlรผsselfragen geklรคrt werden: (1) Reicht die Stimulation der mRNA und der Protein-Synthese tatsรคchlich aus, um ausreichend Protein-Produkte in Nervenยญzellen mit nur einer funktionierenden SCN1A-Kopie herzustellen? (2) Funktioniert die angestrebte SCN1A-Stimulation โ bereits In vitro getestet โ auch genรผgend gut im lebenden Hirn? (3) Beeinflussen oder ยซstรถrenยป diese SCN1A -stimulierenden Wirkstoffe andere Gene? (4) Entsprechen diese Wirkstoffe der feinen physiologischen SCN1A-Regulation? Antworten auf diese vier Fragen zu finden ist das Hauptziel unseres Projektes. Die Fragen 1, 3 und 4 werden wir In vitro angehen, in Kulturen aus neuronalen Zellen der Maus mit nur einer funktionierenden SCN1A-Kopie, welche instruiert ist, unsere ยซtherapeutischen RNAsยป mittels viralen Vektoren zu produzieren. Die Frage 2 werden wir In vivo mittels jungen Mรคusen mit einem SCN1A-Defizit behandeln, deren Nervenzellen mit Hilfe von intravenรถs verabreichten viralen Vektoren dazu angeregt werden sollen, solche RNA zu generieren.
Die Durchfรผhrung dieser Studie soll die notwendigen Grundlagen schaffen, um eine solche Therapie bei Menschen mit einer SCN1A-Mutation wie auch bei anderen Epilepsieformen, bedingt durch einen genetischen Defekt, anwenden zu kรถnnen.
Weitere Informationen zum Projekt: www.dravet.eu und www.sissa.it
Mouse Model Validation Project
2016
Im Jahr 2016 haben wir eine weitere Studie unterstรผtzt: das Validierungsverfahren des ‚Dravet Mouse Models‘, dessen Entwicklung wir gemeinsam mit DSF Spain finanzierten. Bis heute wurden bereits รผber 150 gesunde Mรคuse an Forscher in der ganzen Welt versandt. Die Wissenschaftler vesuchen mit Hilfe der Mรคuse herauszufinden, wie das Dravet Syndrom entsteht und warum es zu kognitiven Problemen kommt. Es wurden auch bereits neue therapeutische Ansรคtze wie die Gentherapie getestet. Einige Labors warten jedoch noch immer ab, ob die Mรคuse auch tatsรคchlich das Dravet Syndrom entwickeln. Das Projekt, das wir dieses Jahr zusammen mit weiteren europรคischen Patientenorganisationen mitfinanzierten, prรผft sรคmtliche Eigenschaften der Mรคuse und wie sehr deren Symptome denjenigen von Patienten mit Dravet Syndrom gleichen. Die Studie wurde diesen Sommer vom ‚Jackson Laboratories‘ (USA) in Zusammenarbeit mit der Dravet Syndrome Foundation Spain durchgefรผhrt. Aktuell werden die Daten ausgewertet, die Resultate sind soweit positiv. Es konnte bestรคtigt werden, dass die Mรคuse mit der SCN1A-Mutation verschiedene Symptome entwickeln, u.a. Krampfanfรคlle, Wahrnehmungsstรถrungen, Hyperaktivitรคt, repetitive Bewegungen sowie eine Vielzahl von motorischen Problemen. Diese Mรคuse mit Dravet Syndrom sind sehr sozial und interagieren sehr gut mit andern Mรคusen. Soziale Probleme, die mit Autismus in Verbindung stehen, treten bei diesen Mรคusen nicht auf. Die Mรคuse werden uns also nicht nur helfen, Lรถsungen fรผr eine verbesserte Therapie der Epilepsie zu finden, sondern auch fรผr die kognitiven und motorischen Schwierigkeiten sowie Verhaltensauffรคlligkeiten, die bei Menschen mit Dravet Syndrom hรคufig auftreten. Die Forscher arbeiten zurzeit an einer wissenschaftlichen Publikation, damit die Resultate und die Forschungsprotokolle รถffentlich zugรคnglich werden. Die Studienergebnisse werden
am ‚Society for Neuroscience Congress‘ sowie am ‚American Epilepsy Society Congress‘ Ende 2016 prรคsentiert.
Pharmacogenomic high-throughput screening
2015-2016
Ende 2015 unterstรผtzten wir das Projekt ‚Pharmagenomic high throughput screening‘ mit CHF 20’000 und trugen massgeblich dazu bei, dass dieses seit drei Jahren laufende Forschungsprojekt im 2016 weitergefรผhrt werden konnte. Die Dravet Syndrome Foundation Spain leitet dieses Projekt in Zusammenarbeit mit der Universitรคt Barcelona und der Universitรคt Miguel Hernรกndez (Spanien). Das Ziel dieser Studie ist es, mรถglichst viele zugelassene Medikamente mittels Hochdurchsatz-Screeing im Labor zu testen, um zu sehen, ob eines dieser Medikamente die Aktivitรคt des Natrium Kanals Nav1.1 erhรถht oder die des Kanals Nav1.6 reduziert. Da die Entwicklung eines neuen Medikamentes viele Jahre dauert, ist es wichtig herauszufinden, ob ein bereits bekannter, fรผr eine andere Krankheit zugelassener Wirkstoff diese Eigenschaften aufweist. In den letzten 3 Jahren wurden bereits รผber 800 Wirkstoffe in verschiedenen Experimenten geprรผft. Die Forscher konnten jedoch kein Medikament finden, dass die Aktivitรคt von Nav1.1 erhรถht hรคtte. Das spanische Team wird jedoch weiterhin Medikamente testen, die auch weitere Natrium-Kanรคle beeinflussen und somit indirekt helfen kรถnnten, die reduzierte Aktivitรคt von Nav1.1 bei Menschen mit dem Dravet Syndrom zu kompensieren. Die Pharmafirma Lundbeck, die den Wirkstoff Clobazam entwickelt hat, versuchte ebenfalls, neue Verbindungen aus ihren eigenen Wirkstoffen zu identifizieren, welche die Aktivitรคt von Nav1.1 erhรถhen kรถnnten. Auch Lundbecks Tests blieben ohne Resultat. Bis heute sind die Wirkstoffe, die die Natrium-Kanรคle aktivieren kรถnnen, giftig und kรถnnen fรผr medizinische Zwecke nicht genutzt werden (z.B. Gifte in Froschhaut und Skorpionen). Dieses Projekt hat uns aufgezeigt, dass es sehr schwierig wird, einen Wirkstoff zu finden, der die Aktivitรคt von Nav1.1 erhรถht und dass wir diesen vermutlich nicht unter den zugelassenen Medikamenten finden werden. Es ist deshalb sehr wahrscheinlich, dass nicht mit der herkรถmmlichen Medizin respektive den bekannten Medikamenten mehr Nav1.1 produziert werden kann, sondern mittels neuartiger Therapien.
Zebrafischforschung
2014-2015
Die Zebrafischforschung der Firma Theracule (Luxemburg) unter der Leitung von Dr. Alex Crawford haben wir fรผr ein Jahr mit CHF 25’000 co-finanziert, zusammen mit Dravet-Syndrom e.V. und Dravet Syndrome Foundation Spain.
Wie bei anderen Tiermodellen, wird bei den Dravet-Zebrafischen die Aktivitรคt des SCN1A-Gens blockiert, was zu einem nicht funktionierenden Natriumkanal in den Nervenzellen fรผhrt: Die kleinen Zebrafische zeigen spontane epileptische Anfรคlle (epileptische Aktivitรคt im EEG), Temperatursensibilitรคt, und Therapieresistenz gegenรผber Antiepileptika.
Im April 2015 konnte Theracule die neuen Installationen mit einer Kapazitรคt von 40’000 Zebrafischen mit einem automatischen Fรผtterungssystem in Betrieb genommen werden, was optimale Bedingungen fรผr die Aufzucht gewรคhrleistet.
Arzneimittel-Screening: Eine Bibliothek von รผber 7000 zugelassenen Arzneimitteln und Wirkstoffen konnte wรคhrend des Finanzierungsjahres identifiziert werden, um diese auf ihr antiepileptisches Potential hin zu prรผfen.
Kognition: In dieser Versuchsreihe wird ermittelt, ob Dravet Zebrafische geeignet sind, die kognitiven Beeintrรคchtigungen des Dravet Syndroms abzubilden, um neue Antiepileptika und mรถgliche Arzneimittel-Kandidaten zu testen, welche kognitive Beeintrรคchtigungen verhindern. In den ersten Versuchen seit Sommer 2014 lag der Fokus vor allem in der Optimierung des Entwicklungsstadiums der Larven und weitere Studienparameter wurden festgelegt.
Dravet Mouse Model
2013-2015
Die Vereinigung Dravet Syndrom Schweiz konnte dank der grossen Zahl von Spenderinnen und Spendern, die den Verein seit der Grรผndung unterstรผtzten das medizinische Forschungsprojekt „Dravet Mouse Model“ (2013-2015) der Dravet Syndrome Foundation Spain co-finanzieren. Mit diesem fรผr alle Forscher frei zugรคnglichen Maus Modell soll die Entwicklung einer Heilung des Dravet Syndroms gefรถrdert werden.
Die Dravet Mรคuse sind seit Sommer 2015 da! Wissenschaftler aus der ganzen Welt kรถnnen das โDravet Mouse Modelโ nun beim Jackson Laboratory (USA) bestellen.
Mehr รผber die Wichtigkeit von Maus-Modellen fรผr Seltene Krankheiten von Julian Isla, Prรคsident DSEF, und Ana Mingorance, scientific director Dravet Syndrome Foundation Spain, kรถnnen Sie hier lesen (verรถffentlicht im Orphan Drug Summit Journal).





